Werner Scholem - ein jüdischer Revolutionär in Deutschland (1895-1940)

Werner Scholem - ein jüdischer Revolutionär in Deutschland (1895-1940)

Ausstellung im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets (Oktober 2016-Frühjahr 2017): Eröffnung mit Lesung am 18.10.2016

Werner Scholem, geboren 1895 in Berlin, verkörpert die Widersprüche einer Generation. Aufgewachsen in einer Berliner jüdischen Familie startete er mit seinem Bruder Gershom eine Revolte gegen den autoritären Vater und den Chauvinismus des Ersten Weltkrieges. Werner und Gershom diskutierten über Zionismus oder Sozialismus, Auswanderung nach Palästina oder Klassenkampf in Deutschland. Während Gershom nach Jerusalem übersiedelte, sah Werner in der Arbeiterbewegung die Möglichkeit eines «anderen Deutschland» ohne Ausbeutung und Antisemitismus. Scholem ging zur Arbeiterjugend, später zur KPD. Im Frühjahr 1923 bereiste er das Ruhrgebiet in der Hoffnung, aus dem „Ruhrkampf“ würde sich die Vollendung der Novemberrevolution ergeben.
Aufgestiegen zum Organisationsleiter «bolschewisierte» Scholem ab 1924 die KPD nach russischem Vorbild, scheiterte jedoch am Widerspruch seiner Rolle als Revolutionär in einer nichtrevolutionären Zeit. Scholem wurde 1926 als Gegner Stalins aus der KPD ausgeschlossen und von alten Genossen geächtet. 1933 wurde er verhaftet, im Sommer 1940 im KZ Buchenwald ermordet. Seine Frau Emmy entkam 1934 ins britische Exil.
Nach seinem Tod wurde Scholem Gegenstand literarischer Fiktion – Franz Jung, Hans Magnus Enzensberger und Alexander Kluge erhoben ihn in den Rang einer Romanfigur. Leitmotiv war seine Affäre mit der Generalstochter Marie Luise von Hammerstein, die Hitlers Angriffspläne gegen die Sowjetunion nach Moskau weiterleitete. Bis heute halten sich Legenden von Scholem als Agentenführer.

Ausstellungseröffnung am 18.10.2016

In einer Vernissage mit Lesung, Film und Ausstellung soll an die Facetten eines bemerkenswerten Lebensweges erinnert werden. Der Historiker Ralf Hoffrogge stellt im Gespräch mit Marcel Bois Ergebnisse seiner Biographie Werner Scholems vor, eine Kurzdokumentation von Niels Bolbrinker rückt auch Scholems Ehefrau und Kampfgefährtin Emmy in den Vordergrund. Susanna Capon, Enkelin Werner Scholems, ist aus Wales angereist und berichtet über den verlorenen Großvater und seine Rolle im Familiengedächtnis.

Programm (18-20 Uhr):

  • Grußwort Prof. Dr. Stefan Berger
  • Grußwort Susanna Capon, Enkelin Werner Scholems
  • Film «Zwischen Utopie und Gegenrevolution - Emmi und Werner Scholem» (Regie: Niels Bolbrinker, 2014, 20 min.)
  • Diskussion "Lebenswege - Scholem und die KPD der Weimarer Republik" - Dr. Ralf Hoffrogge, (Institut für soziale Bewegungen der RUB) im Gespräch mit Dr. Marcel Bois, (Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg)
  • Ausstellungseröffnung

Danach ist Gelegenheit zu einem Rundgang durch die Ausstellung.

Die Ausstellung „Zwischen Utopie und Gegenrevolution“ zeigt auf 18 Bildtafeln den Lebensweg von Werner und Emmy Scholem. Sie wurde erstmals 2011 in Hannover gezeigt, eröffnet von Scholems Tochter Renee Goddard. Bei dieser Gelegenheit entstanden die ersten Aufnahmen für den gleichnamigen Kurz-Dokumentarfilm von Niels Bolbrinker. Die Ausstellung wurde 2014 komplett überarbeitet, sie ist vom 18. Oktober 2016 bis zum Frühjahr 2017 während der Öffnungszeiten im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets zu sehen.

Die Kurzdokumentation „Zwischen Utopie und Gegenrevolution“ ist auch online
hier zugänglich.