Dissertationsprojekt von Jae-Ho Choi

Bildungspolitik der Bundesrepublik in den 60er und 70er Jahren

Jae-Ho Choi

Die politischen, wirtschaftlichen und soziokulturellen Systeme der Bundesrepublik haben trotzt der weiten Entfernung zahlreiche Einflüsse auf Wissenschaftler und staatliche Institutionen sowie auf die Bürgergesellschaft in Korea. Der Grund ist wahrscheinlich, dass die deutsche Gesellschaft als ein ideales Bild für Gegenwart und Zukunft Koreas betracht wird. Aber das deutsche Bildungssystem hat noch nicht ein so großes Interesse gefunden wie die Gesetzgebung, die Diplomatie, der Umweltschutz u.a.; beide Staaten haben vor allem ein unterschiedliches Schulwesen, deshalb war das deutsche Bildungssystem kaum auf Korea übertragbar. Die historische Entwicklung der Bundesrepublik bei der Veränderung und Neugestaltung des Bildungssystems wird jedoch ein aufschlussreiches Vorbild sein.
Der Bildungsreform in den 60er und 70er Jahren ging eine umfassende gesellschaftliche Veränderung voran. Im Verlauf der etwa drei Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Bundesrepublik eine Wiederaufbau- und Wohlstandsära unter einer stabilen parlamentarischen, demokratischen Regierungsform; in dieser Zeit wurde die Christlich-Demokratische Union, die Konrad Adenauer leitete, zu einer machtvollen Partei. Die Gesellschaft, die stabil und beständig erschien, machte aber innerlich eine langsame, große und unvermeidbare Veränderung durch. Der Ende der 1950er Jahre deutlich werdende Einzug in die postindustrielle Gesellschaft und durch Einflüsse der westlichen Kultur beschleunigte neue Tendenzen veränderten die deutsche Gesellschaft in den 1960er und 1970er Jahren drastisch. Diese Veränderungen waren vor allem eine Herausforderung für die Struktur der traditionellen deutschen Bürgergesellschaft. Veränderungen im Bereich der Bildung, die die herkömmliche Struktur der Bürgergesellschaft gestützt hatte, waren deshalb nicht zu vermeiden. Diese setzten aber Änderungen im Gefüge des Schulsystems voraus. Die Bildungsreform in Deutschland in den 60er und 70er Jahren bildete einen großen Diskurs und war mit verschiedenen Bereichen verknüpft. Sie war von Politik, Wirtschaft und Kultur beeinflusst und beeinflusste diese ihrerseits. In der Politik fanden lebhafte Erörterungen auch zur Anwendung der Bildungsreform statt. Mitte der 1960er Jahre schlossen führende deutsche Parteien einen beispiellosen Kompromiss. Aber auch für die Heftigkeit, mit der die Diskussion über die Bildungsreform in den 1970er Jahren geführt wurde, gab es kein vergleichbares Beispiel. Ohne auf diese politischen Diskussionen einzugehen, kann eine Beschäftigung mit dem Bildungsbereich in den 60er und 70er Jahren kaum stattfinden.
Meine Forschungsarbeit wird sich mit Themen zur Schulpolitik auf sozialhistorischer und politologischer Basis beschäftigen: Z.B. mit dem Zusammenhang zwischen dem großen gesellschaftlichen Aufbruch und der Umwandlung des Bildungswesens, der bildungspolitischen Debatten und vor allem den politischen Konfliktenen bzw. den neuen Bildungssystemen. Dadurch möchte ich neue Erkenntisse über Einflüsse in der Gesellschaft, politische Unterstützungen und entstandene Probleme um das Bildungswesen gewinnen.