Neues aus dem Archiv

1. Mai 2018

Der Bezirk Recklinghausen der IG BCE zeigte bei seiner Feier zum 1. Mai die vom Archiv erstellte Ausstellung mit dem Titel „‘Wann wir schreiten Seit‘ an Seit‘‘. Der Marsch nach Bonn 1959“.

 

Die Ausstellung kann nun von Gliederungen der IG BCE kostenfrei ausgeliehen werden. Alle Informationen dazu sind im verlinkten Flyer zu finden.

 

Dok_Ausstellungsverleih

25. April 2018

Alte Pläne in neuem Glanz – Ruhrgebiets-Stiftung restauriert und archiviert für den RVR historische Pläne und Akten

 

Essen/Bochum – 25. April 2018. In Vorbereitung auf das 100-jährige Bestehen des Regionalverbandes Ruhr (RVR) im Jahr 2020 intensiviert der Verband die bestehende Zusammenarbeit mit dem Archiv im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets in Bochum. Insgesamt hat der Verband 80 Regalmeter Akten und mehr als 1.000, teils sehr großformatige Karten und Pläne in jüngster Vergangenheit an das Archiv übergeben. An rund 370 Plänen nagt der Zahn der Zeit und auch der Schimmelbefall ist so stark, dass diese intensiv konservatorisch behandelt werden müssen. Die Pläne aus den Jahren 1921 bis 1951 sind größtenteils Anlagen zu Beschlüssen des Verbandsausschusses.

 

RVR-Direktorin Karola Geiß-Netthöfel weiß die Zusammenarbeit mit dem Archiv in Bochum zu schätzen, um Geschichte erlebbar zu machen: „Die dynamische Entwicklung des Ruhrgebiets gerade in den 20 Jahren nach der Gründung des Verbandes und in den Jahren des Wiederaufbaus lassen sich eindrucksvoll anhand der historischen Karten und Pläne nachvollziehen.“ Professor Stefan Berger, Direktor des Instituts für soziale Bewegungen, betont die historische Bedeutung der anvertrauten Dokumente: „Die einzigartigen Unterlagen belegen nicht nur die über die Region hinaus bedeutsamen Leistungen des Verbandes, sondern sind auch einzigartige Dokumente für die Geschichte der Raum- und Landesplanung im Ruhrgebiet und des Landes NRW.“

 

So hat der RVR in der Vergangenheit wichtige Verkehrswege und Autobahntrassen geplant. Und der Verband hat ebenfalls die große Bedeutung von Grünzügen erkannt und deren Erhalt gesichert. Diese durchlaufen die Region von Nord nach Süd und sind noch heute zentrale Frischluftschneisen, um kühlere Luft in die Städte im Ballungskern zu transportieren. In den 90erJahren entwickelte der RVR die Route der Industriekultur mit ihren 26 Ankerpunkten – heute das touristische Alleinstellungsmerkmal der Region. Derzeit erarbeitet der Verband den neuen und ersten einheitlichen Regionalplan Ruhr seit mehr als vier Jahrzehnten.

 

Die an das Archiv im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets übergebenen, von Schimmel befallenen Pläne werden mit Mitteln der Stiftung, des RVR und mit Fördermitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), der Kulturstiftung der Länder (KSL) und der Koordinierungsstelle für Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) aufwendig restauriert und für eine zukünftige Nutzung wiederhergestellt. Als Eigenanteil für das Restaurierungsprojekt stellt der Regionalverband Ruhr 13.000 Euro zur Verfügung. Der Leiter des Archivs, Dr. Alexander J. Schwitanski, unterstreicht die Bedeutung der Zusammenarbeit: „Die Förderung erlaubt uns, authentische Dokumente zu retten, auf deren Basis ein umfassenderes Bild der Arbeit des Verbandes und der Gestaltung des Ruhrgebiets gezeichnet werden kann. Ohne die Förderung wären diese Quellen teilweise unwiederbringlich verloren gegangen.“

 

Nach der Restaurierung und Erschließung wird der Archivbestand des RVR im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets für die Öffentlichkeit und für Projekte aus Wissenschaft und Forschung zur Verfügung stehen.

 

Zu den Förderprogrammen: www.kek-spk.de und

http://schriftgutschuetzen.kek-spk.de/

 

3. März 2018

9. Tag der Archive im Archiv im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets

 

Zum ersten Mal nahm das Archiv im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets in Bochum am 3. März 2018 am Tag der Archive teil. Die Veranstaltung „Wann wir schreiten Seit‘ an Seit‘“ – Der Marsch nach Bonn 1959 erinnerte unter dem Rahmenthema Demokratie und Bürgerrechte an die bis dahin größte Demonstration in der Hauptstadt der jungen Bundesrepublik. Das Abflauen der Wiederaufbaukonjunktur, die wachsende Bedeutung von Heizöl und gestiegene Importe von Kohle hatten in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre zur sogenannten Kohlekrise geführt: nachlassender Absatz der Kohle führte zu Zechenstilllegungen und Entlassungen von Bergarbeitern sowie unbezahlten Feierschichten und damit zu sozialer Verunsicherung. Nach mehreren Protestkundgebungen innerhalb des Ruhrgebiets rief die Gewerkschaft zu einer Großdemonstration in Bonn auf, um die Bundesregierung zu einem politischen Eingreifen im Sinne des Bergbaus und der Bergleute zu bewegen.

 

Die Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets hatten die Gelegenheit, sich der Thematik anhand zweier von der IG Bergbau produzierten Filme sowie einer Ausstellung von Bild- und Textdokumenten aus Akten der Gewerkschaft im Archiv des Hauses zu nähern. Diese wurde ergänzt durch Passagen aus Videointerviews, die im Rahmen des Oral History-Projekts Menschen im Bergbau geführt und im Archiv im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets gesichert werden.

 

Nach der Vorführung der Filme ergab sich eine lebhafte Diskussion, die immer wieder das Erstaunen der Besucherinnen und Besucher über die minutiöse Organisation der Demonstration mit ca. 60.000 Teilnehmenden zeigte – ein Punkt, der auch schon in der zeitgenössischen Wahrnehmung hervorragte und den Journalisten Werner Höfer von einer „Herrenpartie“ sprechen ließ. Gerade die Akten als Steuerungsinstrumente der Organisation geben daher Einblick in eine bestimmte Form der Protestkultur und stellen damit die Geschichte des Marschs nach Bonn in den größeren Zusammenhang bundesrepublikanischer Protest- und Demokratiegeschichte.

 

 

21. Februar 2018

In 2018 beteiligt sich das Archiv im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets bereits zum dritten Mal an der Landesintiative Substanzerhalt (LISE). Im Zuge dieser von Land Nordrhein-Westfalen geförderten Initiative betreuen Papierrestauratorinnen und –restauratoren die Archive, um geeignetes Archivgut für die Massenentsäuerung auszuwählen.

 

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Papier in immer größeren Mengen industriell aus Holzschliff hergestellt, der bis heute die Ausgangssubstanz für die Papierproduktion darstellt. Dieses Material enthält Bestandteile, die Reaktion mit der Luftfeuchte Säuren produzieren, welche die Fasern des Papiers zersetzen. Folgen dieses Prozesses sind die allgemein bekannte Verbräunung des Papiers, eine zunehmende Versprödung, schließlich Ein- und Abrisse wenn mechanische Belastungen hinzukommen. Auf lange Sicht kann das Papier so vollständig abgebaut werden. Bei der sogenannten Massenentsäuerung wird die im Papier enthaltene Säure durch Hinzufügung einer Base neutralisiert und das Papier zudem mit einer basischen Reserve gepuffert. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der LISE bereiten die Papiere zudem für die Entsäuerungsverfahren vor und beheben dabei bereits entstandende Schäden und Verschmutzungen. Unsere Bilder zeigen Schäden an Papieren infolge von Versäuerung, aber auch durch Korrosion von Metallklammern und falscher Lagerung in zu kleinen Mappen.

 

Das Archiv beteiligt sich mit einem Eigenanteil an der Landesinitiative, der die Bearbeitung kleinerer Mengen im Jahr ermöglicht. In 2016 hatten wir den Nachlass Heinrich Imbuschs, des bekannten Vorsitzenden Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter bearbeiten lassen (die Fotografien zeigen Dokumente aus diesem Bestand). Der Nachlass, der bereits 1989 von Ernst Imbusch, dem Sohn Heinrich Imbuschs, an das Archiv der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie in Bochum übergeben worden war, enthält zum Beispiel das Protokollbuch des Gewerkvereins für den Oberbergamtsbezirk Dortmund, das im Juli 1895 einsetzt.

 

Weitere Bestände aus dem alten Archiv der IGBE waren die Bestände von Heinrich Löffler, Heinrich Hoose und Heinrich Weeke. Letzterer genoss als erster – und einziger – angestellter Bibliothekar in der Zentrale des Alten Verbandes vor dem Zweiten Weltkrieg eine gewisse Bekanntheit. Unter den von ihm gesammelten Dokumenten sind auch Flugblätter aus der Zeit des Ruhrkampfs.

 

In 2018 hat das Archiv Akten aus dem Bestand der IGBE selbst zur Massenentsäuerung gegeben, die in einem beklagenswerten Zustand sind.