Mitbestimmung in der Automobilindustrie

Forschungsprojekt

Zur Entwicklung der Mitbestimmung in der westdeutschen Automobilindustrie vom Ende des zweiten Weltkrieges bis zur Wiedervereinigung

Das von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Projekt zielt auf eine Untersuchung der Mitbestimmungsentwicklung in der westdeutschen Automobilindustrie vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur Wiedervereinigung in ihren verschiedenen Phasen, Dimensionen und Auswirkungen. Dabei sollen nicht nur deren historischer Wandel, sondern auch das Allgemeine und Besondere der Automobilbranche im Hinblick auf die Gestaltung und Strukturen der industriellen Beziehungen und der Interessenvertretung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in einem breiteren gesellschaftsgeschichtlichen Kontext herausgearbeitet werden. Im Vordergrund stehen somit die Reaktionsweisen der Mitbestimmungsträger bzw. der Gewerkschaften auf die Transformationen der Arbeitswelt und der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, wie sie besonders markant in der Automobilherstellung zum Ausdruck kamen.
Die Automobilindustrie gehört zu den Schlüsselindustrien Deutschlands. Ihre trotz temporärer Krisen im Großen und Ganzen erfolgreiche Entwicklung hängt nicht zuletzt mit besonderen Formen der Regelung von Interessengegensätzen und -konflikten zusammen, die im Rahmen der Mitbestimmung etabliert wurden. Angesichts der fortschreitenden Transnationalisierung und Europäisierung steht die Interessenvertretung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor der Herausforderung, die Grundprinzipien der Mitbestimmung und Partizipation aufrechtzuerhalten und zugleich das Beschäftigungsniveau zu sichern. Dabei kann sie sich auf historische Traditionen und Erfahrungen stützen, die im 20. Jahrhundert die Mitbestimmungspraxis in der Automobilindustrie geprägt haben, und auf dieser Grundlage neue Handlungsstrategien für das 21. Jahrhundert entwickeln.
Das Projekt verfolgt drei umfassende Fragestellungen: Periodisierung der Mitbestimmungsentwicklung in der Automobilindustrie; Typologisierung der Mitbestimmungskulturen und -praxis; Analyse der Rolle der Gewerkschaften in Mitbestimmungsstrukturen und -prozessen. Vorliegende empirische Studien und Überblicksdarstellungen werden dabei systematisierend und einordnend in die Untersuchung einbezogen. Somit richtet sich das Projekt auf eine kritische Synthese der bisherigen Forschungsergebnisse. Ergänzend dazu sollen auch Archivüberlieferungen der IG Metall, das Schrifttum der Gewerkschaften und Betriebsräte sowie Werkszeitungen, Erfahrungsberichte und Erinnerungen ausgewertet werden. Als theoretisch-methodologischer Rahmen dienen dabei Ansätze aus dem Umfeld der Theorie der industriellen Beziehungen sowie in der Forschungsliteratur entwickelte Betriebsratstypologien.


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Dimitrij Owetschkin